3. Ausgabe (Sommer 2010)
Zwischen Big Brother und digitalem Utopia: E-Governance im posttotalitären Raum
E-Governance bezeichnet die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie mit dem Ziel, traditionell bestehende Reibungsverluste in der Kommunikation zwischen dem Staat und seinen Bürgern zu überwinden. Im posttotalitären Raum präsentiert sich E-Governance als Praktik, die sowohl Vor- als auch Nachteile in sich birgt. Für viele zeichnen sich mit einer Digitalisierung der offiziellen politischen Kommunikation das Ende sinnloser Bürokratie, endlosen Wartens in langen Schlangen sowie der Zugang zu neuen Serviceleistungen ab. Andere sehen dagegen die Expansion des Staates in den virtuellen Raum als Vorboten einer antiutopischen Zukunft des Panoptikums, wo selbst die privatesten Gedanken der Bürger vom omnipräsenten Staat überwacht und aufgezeichnet werden. Die aktuelle Themen-Ausgabe von Digital Icons zielt darauf ab, die Spannung zwischen diesen beiden Extrempunkten zu erkunden.
Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt: Kann E-Governance ein effektives Mittel zur Bekämpfung von Korruption sein, die in den Transformationsgesellschaften stark ausgeprägt ist? Werden durch die Virtualisierung von Serviceleistungen der Regierung bestimmte soziale oder ökonomische Gruppen in Transformationsgesellschaften bevorzugt? Wie unterscheidet sich E-Governance in Staaten mit einer langen Geschichte von Überwachung und Zensur von seiner Anwendung in Staaten, die traditionell die Privatsphäre ihrer Bürger schützen? Wie verändert E-Governance die geopolitische Raum-Ordnung Russlands, die traditionell durch die physische Trennung des Machtzentrums von der geographischen Peripherie, territorial und geographisch, gekennzeichnet ist?
Ist E-Governance eine Möglichkeit zur Personalisierung von Politik im postsowjetischen Raum, d.h. fühlen sich Bürger den Vertreter/innen ihrer Regierung ‚näher’ oder verursacht Cyber-Politik im Gegenteil eine immer größere Entfremdung? Unterminiert oder begünstigt E-Governance neo-autoritäre Praktiken von politischen Führern wie Alexander Lukašenko und Islam Karimov?
Wie erklärt sich das Missverhältnis bei der Implementation von E-Governance zwischen Staaten wie Estland (das als weltweit führend in der Bereitstellung von Serviceleistungen der Regierung via Internet anerkannt ist) und Turkmenistan (das wiederholt als „schwarzes Loch im Internet“ bezeichnet wurde) im Hinblick darauf, dass diese Länder vor weniger als zwei Jahrzehnten Teil des selben Staatsgebildes waren?
Digital Icons bittet um Beiträge, welche die Entstehung und den Einfluss von E-Governance in der Russischen Föderation und anderen postsowjetischen Staaten untersuchen. Ebenfalls willkommen sind Beiträge, in denen Formen digitalisierter Staatsführung in den postkommunistischen Staaten Mittelosteuropas (Polen, Bulgarien etc.) analysiert werden, sowie komparativ ausgerichtete Studien, welche die Situation in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion in einen globalen Kontext einpassen (insbesondere im Hinblick auf die Volksrepublik China).
Neben wissenschaftlichen Artikeln in englischer, deutscher und russischer Sprache sind Beiträge in alternativen Genres, Stilen und Formaten von Künstler/innen, Politiker/innen und Kulturschaffenden willkommen, die sich mit der Spezifik des Mediums auseinandersetzen.
Abgabeschluss ist der 1. Mai 2010.
Voraussichtliches Publikationsdatum: Juli 2010.
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Bitte fügen Sie Ihrem Beitrag eine kurze Biographie (100-120 Worte in englischer Sprache) und eine Zusammenfassung der zentralen Thesen (150 Worte in englischer Sprache) bei (gegebenenfalls kann dies der erste Absatz des Beitrags sein).
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Sonderausgabe (Herbst 2010)
Krieg, Konflikt und Gedächtniskultur im digitalen Zeitalter
Kriege, Konflikte und Totengedenken begegnen den Nutzer/innen der neuen Medien täglich und überall auf der Welt, insbesondere auch in Russland, Eurasien und Zentraleuropa. Die Spannbreite der Erscheinungsformen und Nutzungsweisen reicht von Netz-Reportagen über den „Krieg gegen den Terror“ bis zu virtuellen Museen des politischen Terrors in den Zeiten des Kommunismus; von Cyber-Kriegen gegen Websites und Datenbanken bis zu Kriegscomputerspielen; von Online-Antikriegskampagnen bis zu virtuellen Gedenkstätten für Gefallene des Zweiten Weltkriegs; von Foto- und Video-Berichten über Kriegshandlungen in Kosovo, Tschetschenien, Gaza und Georgien bis zu Flashmobs als Mittel zum politischen Protest oder rassistischer Agitation; von digitalisierten persönlichen Erinnerungen und Familiengeschichten bis hin zu Videos von patriotischen Präsidentenreden auf YouTube.
Ziel dieser Sonderausgabe ist die Erforschung der Kriegs- und Konfliktvermittlung, der Instrumente der Berichterstattung, der Arten und Weisen des Kriegsgedenkens in der digitalen Gedächtniskultur mittels Diskussionen im Internet und anderer Formen neuer Medien wie Handys, digitalem Rundfunk und Computerspielen. Welche Rolle spielen die neuen Medien für das Verständnis, die Darstellung, Regulierung und die Erinnerung (oder das Vergessen) von Krieg und Terror? Was ist der Status von Zeugenaussagen, Beweismaterial und Reportagen in der Ära der digitalen Reproduktion? Welche Erinnerungspraktiken bringen neue Informations- und Kommunikationstechnologien hervor? Welche emotionalen Strukturen unterliegen den Online-Berichten und –debatten über Militäroperationen und das durch sie hervorgerufene menschliche Leiden? Wie kann die digitale Vermittlung von Konflikten die Einen zu Gemeinschaften vereinen, während sie gleichzeitig Andere ausschließt und spaltet? Und schließlich, wie kommt es dazu, dass sich physische Gewaltanwendung durch digitale Interaktion verschärft und wie kann man dem entgegenwirken?
Diese Sonderausgabe von Digital Icons soll ein Forum für Wissenschaftler/innen schaffen, die sich mit Krieg, Konflikt, Gedächtniskultur und neuen Medien auseinandersetzen, und dabei gleichzeitig linguistische, kulturelle, geschichtliche und politische Aspekte der Nutzung neuer Medien in Russland, Eurasien und Zentraleuropa miteinbeziehen. Digital Icons freut sich auf originäre Abhandlungen mit Fokus auf eines oder mehrere Länder dieser Region oder ihrer Diasporas. Ebenso willkommen sind theoretische Essays, Erfahrungsberichte und kritische Reflektionen von Medienfachleuten sowie Beiträge von Künstler/innen und Schriftsteller/innen und Rezensionen zu relevanten Projekten, Büchern und Veranstaltungen.
Abgabeschluss ist der 1. Mai 2010
Voraussichtliches Publikationsdatum: Oktober 2010
Bitte kontaktieren Sie zur Absprache Adi Kuntsman warconflictcommemoration@googlemail.com oder die DI Redaktion editor@digitalicons.org.
Bitte fügen Sie Ihrem Beitrag eine kurze Biographie (100-120 Worte in englischer Sprache) und ein Abstract oder eine Beschreibung der Einreichung (150 Worte in englischer Sprache) bei (gegebenenfalls kann dies der erste Absatz des Artikels sein). Bitte beachten Sie die Autorenrichtlinien auf unserer Homepage.