2 Ausgabe. Von Parteigenossen zu Schulkameraden: Soziale Netzwerke im russischen Internet
Diljara Sujemanova
Diljara Sujemanova promoviert derzeit am Ethnologischen Seminar der Universität Zürich. Sie studierte an der Historischen Fakultät der Staatlichen Universität Kazan (Tatarstan, Russland) und hat ihren M.A.-Abschluss in Nationalism Studies an der Central European University (Budapest) mit einer Arbeit zur post-sowjetischen Politik zur Wiederbelebung der tatarischen Sprache erworben. Zur Zeit arbeitet sie an ihrer Dissertation zu Bildungspolitik und Identitätskonstruktion in der post-sowjetischen Republik Tatarstan. Ihre Forschungsinteressen umfassen Bildung und Sprachpolitik, Identitätspolitik, Nationalismus und Ethnizität, mit einem regionalen Fokus auf das post-sowjetische Russland und insbesondere Tatarstan.
2.4 TATARISCHE GRUPPEN IN VKONTAKTE.
Vkontakte ist ein populäres russisches Online-Netzwerk, das seinen Nutzer/innen unter anderem die Möglichkeit eröffnet, thematische Gruppen zu kreieren, Informationen auszutauschen, andere Nutzer zu treffen und unterschiedliche Themen zu diskutieren. Der Beitrag befasst sich mit tatarischen Gruppen auf Vkontakte, in deren Mittelpunkt Themen rund um diese zweitgrößte ethnische Gruppe Russlands stehen. Die Analyse dieser Gruppen ergibt, dass Vkontakte ein starkes Instrument nicht nur für ethnische Netzwerkbildung darstellt, was eine Verbindung von Tataren aus ganz Russland ermöglicht, sondern auch für den Identitätskonstruktionsprozess. Einerseits reproduzieren tatarische Gruppen traditionelle Darstellungen dessen, was als tatarisch gilt. Dabei stehen Themen wie die tatarische Sprache oder der Islam im Mittelpunkt. Andererseits zeigen manche Gruppen alternative Versionen tatarischer Identität auf, beispielsweise durch das Wiederaufgreifen vorislamischen religiösen Glaubens wie des Tengrismus oder durch die Konstruktion alternativer ethnischer Identitäten.
Sprache der Ausgabe: Englisch