3. Ausgabe: Zwischen Big Brother und digitaler Utopie. E-Governance im posttotalitären Raum
Erica Johnson und Beth E. Kolko
Erica Johnson lehrt an der Universität von North Carolina, Chapel Hill, und leitet das dortige Master-Programm in Global Studies. Zuvor war sie als postgraduierte Mitarbeiterin mit Schwerpunkt Zentralasien am Zentrum für Eurasische, Russische und Osteuropäische Studien der Georgetown University tätig. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit arbeitete sie als Forschungsassistentin an dem Projekt zu Informations- und Kommunikationstechnologien in Zentralasien (Central Asia Information Communication Technologies, CAICT) der Universität Washington.
Beth Kolko ist Professorin (Associate Professor) am Fachbereich für Benutzer orientiertes Design und Entwicklung (Human-Centered Design and Engineering) an der Universität Washington und leitende Wissenschaftlerin im CAICT-Projekt.
3.2 E-Government und Transparenz in autoritären Regimen: Ein Vergleich von E-Government-Websites auf nationaler und städtischer Ebene in Zentralasien
Warum entwickeln autoritäre Regierungen E-Government-Aktivitäten im Internet? Die meisten Modelle für elektronische Kommunikation zwischen Regierenden und Bevölkerung unterstellen als Motivation für diese bürgernahen Dienstleistungen eine Steigerung der Transparenz und demokratischer Verantwortlichkeit. Während demokratische Regierungen solche Ziele wahrscheinlich verfolgen, ist dies für autoritäre Regime keinesfalls offensichtlich. Dies gilt insbesondere für Länder mit einer geringen Verbreitung des Internet. Auf der Grundlage von Inhaltsanalysen und vergleichenden Fallstudien untersucht dieser Beitrag die Funktionalitäten von E-Government-Websites in Kazachstan, Kirgistan und Uzbekistan, die auf nationaler oder städtischer/regionaler Ebene operieren. Inwiefern unterscheiden sich diese von vergleichbaren elektronischen Regierungsangeboten in stärker demokratischen Umgebungen? Welche Lehren sind aus dem manipulativen Umgang autoritärer Regime mit Informations- und Kommunikationstechnologien zu ziehen? Wir kommen zu dem Schluss, dass E-Government-Angebote auf nationaler Ebene Transparenz und Service-Orientierung derjenigen Einrichtungen und Institutionen, die sie repräsentieren, nicht befördern. Initiativen auf städtischer oder regionaler Ebene erweisen sich hingegen als in höherem Maße bürger-orientiert und transparent. Zu verstehen, ob es sich bei E-Government-Projekten um ein Mittel des politischen Wandels handelt, ob diese die Beziehungen zwischen Regierung und Bürgern erleichtern oder ob sie einen Mechanismus der autoritären Kontrolle über die Medien darstellen, ist von Bedeutung für Wissenschaft, internationale Entwicklungshilfe und die Gemeinschaft der IT-Entwickler.
Sprache des Beitrags: Englisch